[Intro]

Die Linie sieben fuhr um die Ecke,
damals noch bis zum alten Tor.
Auf meinem Balkon Geranien —
sie stehen dort bis heute noch.

[Verse]

Ich bin Helga Krüger, vierter Stock,
neununddreißig Jahre diese Tür.
Ich fuhr die Straßenbahn bis Mitternacht,
der letzte Wagen brachte mich zu mir.
Am Türrahmen stehen alte Größen,
Bleistift, Kreide, längst verblasst.

[Chorus]

Rote Geranien über der Straße,
sie blühen für Namen, die keiner mehr liest.
Ich fuhr diese Stadt auf klingelnden Gleisen
und sah, wie sie Menschen an Ränder verwies.
Rote Geranien, Jahr für Jahr,
beweisen, dass hier jemand zu Hause war.

[Verse]

Der Mietvertrag stammt von vierundsiebzig,
das Papier vergilbt, die Tinte dünn.
Heut kommen Firmen ohne Gesichter,
Namen werden zu Nummern hin.
Der Mann vom Fonds sagt: „Sie wohnten
andernorts doch viel bequemer.“

[Chorus]

Rote Geranien über der Straße,
sie blühen für Namen, die keiner mehr liest.
Ich fuhr diese Stadt auf klingelnden Gleisen
und sah, wie sie Menschen an Ränder verwies.
Rote Geranien, Jahr für Jahr,
beweisen, dass hier jemand zu Hause war.

[Cello Interlude]

[Bridge]

„Sie verwechseln meine Treppen
mit einem Mangel, der sich löst.“
Ich halte nicht jede Tür,
doch lasse keinen Namen los.

[Final Chorus]

Rote Geranien über der Straße,
sie blühen für Namen, die keiner mehr liest.
Ich fuhr diese Stadt auf klingelnden Gleisen
und sah, wie sie Menschen an Ränder verwies.
Rote Geranien, Jahr für Jahr,
beweisen, dass hier jemand zu Hause war.

Und sollte mein Balkon einmal leer sein,
stellt Mara die roten Töpfe hinein.

[Outro]

Die Linie sieben fährt noch immer,
nur ihre Endstation heißt neu.
Ich gieße langsam zwölf Geranien,
eine für jeden Namen im Haus.

Unten klebt der Zettel am Kasten.
Oben fällt Erde auf Stein.
